DER FASCHING

Der Fasching und seine Symbole

Ursprung des Faschings

Begriff: Fasching

Zeitraum des Faschings

Die Narren

Die Narrenzahl 11

Die Narrenmütze

Narrenorden

Narrenbaum

Sitzungsfasching

 

DER FASCHING UND SEINE SYMBOLE

Der Fasching ist ein Höhepunkt des Winterbrauchtums und wird von den Faschingsnarren oft auch als die "fünfte Jahreszeit" bezeichnet. Die dabei gefeierten Bräuche, Feste und Rituale entstammen meist einer uralten Tradition, deren ursprüngliche Bedeutung den am Faschingstreiben Beteiligten oft nicht bekannt sind. In dieser Zusammenfassung wurde versucht, in knapper Form die Entwicklung des Faschings und die Bedeutung der damit verbundenen Symbolik darzustellen. Für Faschingsgilden soll hiermit Informationsmaterial zur Verfügung stehen, um die Gildenarbeit eventuell wieder auf die ursprünglichen Gedanken der Brauchtumspflege zurückzuführen, Traditionen nachzuspüren und diese wieder aufleben zu lassen. Auch für eindeutige Aussagen bei der Öffentlichkeitsarbeit über den Fasching, deren tieferen Sinn und die Bedeutung der Symbole kann diese Zusammenfassung hilfreich sein.

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URSPRUNG DES FASCHINGS

Die Keimzellen des Faschings bzw. Karnevals in Europa sind vermutlich in heidnischen Bräuchen wie Fruchtbarkeitskult,  Dämonenkult, Sonnenkult usw. zu suchen, wo der Mensch bei Zeremonien durch Maskierung und Tänze sowie Umzüge den Göttern ähnlich sein wollte. Die Römer brachten in die von ihnen besetzten Gebiete auch ihr religiöses und weltliches Brauchtum mit, woraus sich im Laufe der Zeit verschiedene Festabschnitte entwickelten. Im Herbst wurde das Fest der Bacchanalen, also der Weinlese, gefeiert, wo die Menschen in Verkleidung von Satyrn und Nymphen den Götter und Pan huldigten.

Auch beim Kelterfest, den Fruchtbarkeits- und folgenden Sühneriten im Februar, waren Theaterspiel, Umzüge in Verkleidung und Gelage Höhepunkte der Feiern. In diesen Zeiten ruhte die Arbeit, Sklaven waren vom Frondienst befreit und durften durch Verkleidung in die Rollen der Freien schlüpfen und manches lockere Wort sagen, ohne sträfliche Folgen zu riskieren. Da für die Römer das Jahr mit dem März begann, galt die Zeit davor  die heutige Faschingszeit  symbolisch der Reinigung von allem Alten, was man sehr ausführlich mit einem Fest beging.

Im Mittelalter fanden in mehreren christlichen Ländern Europas, "Narrenfeste" (festa stultorum) statt, wo Kinder und Jugendliche durch Parodien kirchlicher Zeremonien übertrieben darstellten und lächerlich machten. Trotz Verbote hielten sich einige dieser Feste bis ins 18. Jahrhundert. Unter dem Einfluss des Christentums entwickelte sich aus den heidnischen Riten in den verschiedenen landschaftlichen Gegenden artunterschiedliches Brauchtum. Durch das Anwachsen der Städte und der damit verbundenen Menschenanballung auf kleinem Raum, ging das Feiern des Faschings allmählich in verschiedene Richtungen. Während im ländlichen Raum christianisiertes Brauchtum und "Heidnischebräuche" (betteln um Gaben) weiter erhalten blieben, nahm im 13. Jahrhundert in den Städten das Narrentreiben mit seinen immer derber werdenden Späßen derartige Formen an, dass die Obrigkeit schließlich mit Verboten einschritt. Die Autorität der Kirche akzeptierte und duldete jedoch diese Emotionsausbrüche vor der Fastenzeit, die als Ventil der Unterdrücktheit nötig waren. Sie begrenzte diese Freiheit ab dem 7.Jhdt. jedoch nur auf den Tag vor dem Aschermittwoch. Im 15. Und 16. Jahrhundert, also der Zeit der zahlreichen Türkenkriege, wurde das Faschingstreiben in Wien im Freien untersagt, da man befürchtete, dass sich feindliche Kundschafter im Schutz einer "Larve" unter das Volk mischen und so unerkannt in die Stadt gelangen könnten. Im 17. Jahrhundert nahm das Faschingstreiben im Freien wieder seinen Aufschwung. In Wien z.B. war ein recht lebendiges Treiben festzustellen. Das gehobene Bürgertum und der Adel trieben Maskerade zu Pferd; Maskierte fuhren auf Schlitten durch die Stadt und Narren bevölkerten Straßen und Plätze. Das Faschingstreiben mit seinen Maskeraden bot allerdings auch gute Gelegenheit zu Racheakten und zur Austragung persönlicher Fehden sowie zur Auflehnung des durch Adel und Kirche unterdrückten Volkes gegen Diktatur und Staatsgewalt. In der Zeit der Zensur und Einschränkung der Pressefreiheit hörte man nicht gerne die "Wahrheit, die der Narr spricht!" Auf Grund zügelloser Ausschreitungen, Schlägereien und Morde, aber auch vom Standpunkt der politischen Räson, verbot schließlich Kaiserin Maria Theresia allen Ständen und dem Adel das Tragen von "Larven" vor dem Gesicht im Freien. Das bunte Faschingstreiben wurde somit in Säle verlagert, woraus sich der für Österreich typische "Saalfasching" mit seinem Ballwesen in Form von Redouten entwickelte. Die Vergnügungssucht der Bevölkerung war damals sehr groß, dies beweist z.B. 1798 die Teilnahme von 2.000 Personen der damals 16.000 Einwohner zählenden Stadt Salzburg an den sieben Maskenbällen der Stadt während der Faschingszeit. Ab der Wende ins 20. Jahrhundert setzte sich die Redoute als Maskenball und der "noble Ball" immer mehr in Wien durch. Die erste Opernredoute fand 1934 in der Staatsoper in Wien statt, der 1935 der 1. Wiener Opernball folgte. Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchte man Elemente des deutschen Karnevals in Form des "Straßenfaschings" mit seinen Umzügen auch in Österreich zu implantieren. Dies wurde jedoch von der Bevölkerung damals nicht angenommen, da ein organisierter reichsdeutscher Fasching nicht der Mentalität des Österreichers entsprach welche in jener Zeit weitgehend andere Sorgen hatte. Nach Kriegsende und der wieder gewonnenen Freiheit besann man sich wieder des alten Brauchtums und die Lebenslust erwachte allmählich. In verschiedenen Orten schlossen sich vergnügte Menschen zusammen und bildeten "Faschingsgilden". Diese Vereine schlossen sich am  17.11.1962  im "Bund Österreichischer Faschingsgilden" zusammen.

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BEGRIFF:  FASCHING

Der bei uns gebräuchliche Begriff "Fasching" wird vom mittelhochdeutschem "Vastchanc" und dessen Zwischenform "Faschang" abgeleitet. Das bedeutet etwa "Fassausschank", welche am Vorabend des Fastenzeitbeginns erfolgte, der meist im "Narrenmond"  wie u.a. auch der Februar genannt wurde, liegt. Die in Norddeutschland übliche Bezeichnung "Karneval" ist vermutlich ebenfalls ein Hinweis auf die bevorstehende Fasten- und Besinnungszeit. Das lateinische Wort "Carnelevare" und dessen mittelalterliche Form "Carnelevale" bezeichnen "Abschied vom Fleisch" oder "das Fleisch wegnehmen". In Klöstern bezeichnete man das Festmahl und den Trunk vor Beginn der Fastenzeit mit "Carnevalamen" oder "Carnispivium". "Fastnacht" galt vorerst nur für die Nacht vor Beginn der Fastenzeit, später für den gesamten Zeitraum des Faschings. Während im süddeutschen Raum diese Zeit mit "Fasnacht" bezeichnet wird, findet man anderorts auch Bezeichnungen wie "Fasnet", "Faßnet" und "Fasent".

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ZEITRAUM DES FASCHINGS

Ebenso wie vor Ostern, hat die alte Kirchenordnung dem Fest Dreikönig eine vierzigtägige Fastenzeit  allerdings unter Auslassung der jeweiligen Samstage und Sonntage  vorangestellt, die mit dem 12. November beginnt. Der Vortag dieses Fastenbeginns, das Fest des Hl. Martin von Tours November, spielt im Brauchtum des Jahreskreises eine bedeutende Rolle. Erntefeste, Schlachtfeste, Festlichkeiten und üppige Gelage beim Gesindewechsel und bei der Ablieferung der fälligen Abgaben an Gutsherrn und Klöster, ähnelten Festen zu Fastnacht, wodurch man diesem Tag auch die Bezeichnung "kleine Fastnacht" gab. Bedingt durch den 11. 11. und die Narrenzahl 11 nutzten im 19. Jahrhundert die Faschingsgesellschaften diesen letzten Termin vor dem Adventfasten" zum Beginn der Faschingsvorbereitungen. An diesem Tag fanden Gründungsversammlungen neuer Vereine und Generalversammlungen bestehender Faschingsgesellschaften statt. Der Elferrat wurde neu besetzt, Faschingsprinzen gekrönt und Ideen für Faschingsveranstaltungen geboren bzw. in Ansätzen schon dargeboten. Die Zeit des echten" Faschings liegt jedoch zwischen den beiden kirchlichen Festkreisen Weihnachten, mit Dreikönig Erscheinung) als Ende des engeren  Weihnachsfestkreises, und dem Aschermittwoch als Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern. Hier spielt vermutlich auch noch mystischer Glaube der Vorfahren mit, denn der 6. Jänner ist der letzte und höchste Tag der zwölf geheimnisvollen und gefährlichen Rauhnächte. Er wird daher in der Schweiz und im alemanischen Fasnachtsbrauchtum mit der "Oberste" bezeichnet, an dem um 12 Uhr die Fasnacht beginnt. Durch eine Regelung Papst Gregors beim Konzil von Benevent 1091) wurden die sechs Sonntage vor Ostern  sie erinnerten an die Auferstehung Jesu am Ostersonntag  vom Fastenverbot ausgenommen, wodurch sich die Fastenzeit um sechs Tage verlängerte und mit dem Aschermittwoch 12 Uhr begann. Der Vorabend des Beginns der Fastenzeit, der Faschingsdienstag, wird auch mancherorts mit "Herrenfastnacht" bezeichnet. In Basel und einigen reformierten Teilen des deutschen Bundeslandes Baden hat sich jedoch die "alte" kirchliche Kalenderrechnung  ohne Ausnahme der Sonntage (aus Protest?) erhalten, wodurch die "Fasnacht" erst am Montag nach dem ersten katholischen Fastensonntag gefeiert wird. Dieser Montag wird in diesen Regionen auch mit "Bauernfastnacht" bezeichnet. Als negatives Gegenbild zum Schöpfungsablauf der Welt, wurde die eigentliche Fastnacht von einem Tag vor dem Aschermittwoch, auf sechs Tage ausgedehnt. Diese Zeit beginnt mit dem "schmutzigen (Schmotz = Fett), feisten oder fetten Donnerstag" mit Schlachtfesten und üppigen Speisen. Im Rheinland beginnt mit diesem "gumpeligen (possenreißerischen) Donnerstag" bzw. der "Weiberfastnacht" die "Hochzeit" (hohe Zeit) des Faschings. In Wien findet an diesem Tag übrigens der Opernball statt. Darauf folgt der "rußige Freitag", an dem die Narren den Leuten das Gesicht mit Ruß beschmieren. Am Faschingssamstag, dem "Schmalzsamstag",  werden die Faschingskrapfen gebacken, die am Faschingssonntag (Mittfasten), der Herren-, Pfaffen- oder Priesterfastnacht, mit fettgebackenen Speisen verzehrt werden. Der "Rosenmontag", als Folgetag des "Rosenmontags", an dem sich der Papst im Mittelalter mit einer goldenen Rose dem Volk vom Lateranpalast zeigte, erhielt seinen Namen von der "Rosenmontaggesellschaft", die den Kölner Faschingszug organisierte. Den Abschluss der sechs Faschingstage bildet der Faschingsdienstag, auch "Laienfastnacht" oder begraben oder verbrannt wird. Am Aschermittwoch um 12 Uhr "Regierungsgewalt"  meist in Form des Stadtschlüssels  wieder an das weltliche Oberhaupt zurück und kehren in das "Schiff des Heiles" (den Schoß der Mutter Kirche und das Kirchenschiff) zurück. Der Narrenbaum wird umgeschnitten und an Bedürftige verschenkt. Als Zeichen, dass alles Geld verjuxt ist, werden mancherorts auch "Geldbeutel“ öffentlich gewaschen.

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DIE NARREN

Unter "Narren" verstand man im Mittelalter Menschen, die sich außerhalb der herrschenden Gesellschaftsordnung bewegten und weder den christlichen Glauben, noch die kirchlichen Gesetze beachteten. Man unterschied zwischen, "natürlichen Narren" und "Schalknarren". "Natürliche Narren" waren jene Menschen , die von Natur aus eine körperliche oder geistige Behinderung aufwiesen und damit  nach Volkesmeinung  von Gott gekennzeichnet bzw. bestraft waren; ein altes Sprichwort lautete "hüte dich vor den Gezeichneten! ”Schalknarren" waren jene Personen, die sich berufsmäßig Unterhaltung und zum Gaudium von Publikum auf Straßen oder Jahrmärkten närrisch gebärdeten und in überzeichneter Form unzulängliches oder eigenwilliges Verhalten von Personen und/oder der Gesellschaft kritisch anprangerten. Einige wenige dieser mittelalterlichen Narren betrieben ihr närrisches Wirken jedoch weniger aus Geltungsdrang, als vielmehr als ein Aufbegehren und Kritik gegen das damalige politische und geistliche System. Till Eulenspiegel war z.B. einer jener "Systemkritiker". Dieser Außenseiter war ein "homo emunctae naris", also ein Mensch mit scharfer Beobachtungsgabe, der seine Nase (lat. Naris) in alle Dinge steckt. Aus dem Althochdeutschen "narro" entwickelte sich schließlich das neuhochdeutsche Wort "Narr". Manche weltliche oder geistliche Herrscher hielten sich "Hofnarren", die das "Ohr am Volk" hatten und dessen Meinungen, Forderungen und Wünsche in kritischer und launiger Form ungestraft wiedergeben konnten. Sie verdienten wurden daher auch "gebrodete Narren" genannt. Einer der bekanntesten Hofnarren österreichischer Herkunft war Joseph Fröhlich aus Bad Aussee. Er stand lange Jahre im Dienst des Kurfürsten von Sachsen, August dem Starken und verbrachte schließlich seinen Lebensabend als angesehener Bürger in seiner Heimatgemeinde. Auch auf den Theaterbühnen waren oft pfiffige Narrengestalten zu finden. Dies war in der italienische Commedia dell arte der "Arleccino" (Harlekin) und der "Bajazzo", auf den Wiener Volksbühnen der "Hans Wurst". Im vorigen Jahrhundert wandelte sich die Bezeichnung Faschingsnarr" für jene Gruppe Menschen, die sich während der Faschingszeit in Gemeinschaften dem Frohsinn und der Fröhlichkeit widmen. Es entstanden Brauchtumsgruppen Carnevalsgesellschaften (Faschingsgilden, Faschingsgesellschaften, Funkenzünfte u.v.a., die es sich zur Aufgabe gemacht haben, altes Brauchtum zu pflegen oder wiederaufleben zu lassen und durch Faschingssitzungen und Umzüge den Menschen nahe zu bringen. Der traditionellen Symbolik des Brauchtums wird allerdings heute im städtischen Straßenfasching nur mehr wenig Bedeutung beigemessen.

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DIE NARRENZAHL 11

Der Fasching stellt von altersher eine Art "Gegenwelt" zur christlichen Welt dar, in der bestehende Ordnungssysteme, Gesellschaftsregeln und Tabus von den Narren nicht eingehalten, überschritten oder aufgehoben werden. Der Narr" schlüpft durch Maske und Kostüm in eine „Haut", um derart seine geheimen Wünsche zu verwirklichen, Persönlichkeiten zu persiflieren oder menschliche Schwächen in übertriebener Darstellung aufzuzeigen. Durch die Verkleidung mit Tiermasken  die manchmal menschliche Züge aufweisen -, sollten die diesen Tieren anhängigen negativen Triebmerkmale auf die Charakterschwächen der Menschen hinweisen. So bedeuten z.b. der Bock Unkeuschheit, der Hahn die Geilheit, der Pfau den Hochmut, der Esel die Trägheit, der Hund den Neid, das Schwein die Völlerei, der Löwe den Zorn, der Bär die Ungezügeltheit  usw.

Die Zahl 11 hat ihren Ursprung in der christlichen Lehre der katholischen Kirche: 11 wird als Sinnbild der Sünde verstanden, denn sie überschreitet die Zehnerzahl und somit die 10 Gebote Gottes. Nach dem Matthäusevangelium wurden "um die elfte Stunde die Müßiggänger in den Weinberg geschickt". Die 11 Stunde wird als die letzte Stunde vor der Umkehr am Aschermittwoch und dem Weltgericht gedeutet. Für die Kirche steht der Narr in seinem, nach seinem Willen gewählten, Verhalten während der Faschingszeit teilweise Übertreter des Gesetzes außerhalb der religiösen Vorschriften und Normen. Es wurde ihm daher die Zahl 11 beigegeben. Darstellungen auf Gemälden alter Meister zeigen den Narren oft in Verbindung mit der Zahl 11. Auch bei der 11er Messe Sonntag vormittags versammelten sich die Männer der Gemeinde im Wirtshaus, anstatt zur Kirche zu gehen. Die Faschingsgesellschaften haben diese alten Überlieferungen aufgegriffen und die Zahl 11 als die Glückszahl der Narren festgelegt. Feste und Jubiläum von Faschingsvereinigungen werden auch bei vielfachem der Elferzahl gefeiert. Andere Auslegungen der Bedeutung der Zahl 11, dass sie aus den Anfangsbuchstaben des Kampfrufes der franz. Revolution "Egalité  Liberté  Fraternité" abgeleitet wurde, sind nicht haltbar, da die Zahl 11 zeitlich schon vor der franz. Revolution in Zusammenhang mit  Narren  erwähnt wurde. Der Elferrat hingegen geht auf die französische Revolution zurück. Er stellte ursprünglich eine Persiflage der Revolutionstribunale dar und sollte in der Zeit der Besetzung des Rheinlandes Forderungen als Narreteien aufzeigen.

In unserer Zeit ist eine der wesentlichen Aufgaben des Elferrates (Elfer-Comitee) die Organisation der Faschingsaktivitäten des Vereines. Er berät und unterstützt die für Veranstaltungen verantwortlichen Organe des Vereins und beschließt die zur Realisierung gelangenden Aktivitäten.

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DIE NARRENMÜTZE

Im Mittelalter hatten die Narren entsprechend ihrem Stand eine spezielle Kleidung, die in einigen Merkmalen von Tieren abgeleitet wurde. Der gezackte Hüftrock mit den Schellen erinnerte an den Gockelhahn als Symbol närrischer Wachsamkeit, der jederzeit bereit ist, Saumselige zu wecken. Die Narrenmütze mit den beiden großen Eselsohren war als Zeichen närrischer Hellhörigkeit zu verstehen. Mit Beginn des vereinsmäßigen Carnevals im Rheinland im 19. Jahrhundert, war ursprünglich lediglich die Kappe das Kennzeichen zur Mitgliedschaft zu einer Carnevalsgesellschaft. Durch deren gleiche Ausführung war es ein Kennzeichen Gemeinsamkeit und Gleichheit der Mitglieder aus den verschiedenen Ständen. Die Treffen der Gesellschaft während der Faschingssaison (Campagne) erfolgte im vorigen Jahrhundert in sogenannten "Kabinettssitzungen". Die heutige "klassische" Narrenkappe des rheinischen Karnevals hat die stilisierte Form eines Schiffes und sollte ursprünglich in der "närrischen Gegenwelt" als "Narrenschifflein“ Gegenbild zur kirchlichen Darstellung des "Schiff des Heiles" bilden. Die an den Kappenzipfel angebrachten Schellen sind den höfischen Kleidersitten des Mittelalters nachempfunden. Man trug diese Schellen, um auf sich aufmerksam zu machen. Andrerseits bedeutete jedoch die Schelle das Kennzeichen des Narren, der während der Faschingszeit nicht an die christlichen Tugenden, sondern vorwiegend an sich selbst und sein eigenes Vergnügen dachte. In der Entwicklung der verschiedenen Faschingsgilden, legten sich diese Mützen bzw. Kappen mit besonderen Merkmalen bezugnehmend auf ihren Namen zu, z.B. Stadtrichter mit Richterbarett, Ratsherren mit Ratsherrenhut oder Zylinder, Narrensenat mit Narrenmütze, Eselsohrenmütze usw.

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NARRENORDEN

Die uniformartige Kleidung der Mitglieder und Garden mancher Faschingsgesellschaften erinnert oft an die französischen Besatzungstruppen im Rheinland bzw. des Militärs autoritärer Herrscher und damit der Unterdrückung freier Meinungsäußerung. Den Faschingsprinzen  als närrischen Regenten  wurde und wird meist eine Garde in solchen Phantasieuniformen zur Seite gestellt. Die Dekoration mit einer Unzahl an Faschingsorden sollte ursprünglich die Geltungssucht mancher Persönlichkeit des öffentlichen Lebens persiflieren. Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch die Bedeutung der Faschingsorden vom Juxartikel zu Erinnerungs-, Dankes- und Ehrenzeichen sowie Vereinsabzeichen in Form eines Haus- oder Jahresordens.

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NARRENBAUM

Der Baum gilt seit alters her als Symbol neuen Lebens, der Kraft  und Fruchtbarkeit. In verschiedenen ländlichen Gegenden werden  entsprechend des alten Brauchtums  zu hohen Festen Bäume aufgestellt. Dies sind meist Fichten, die  bis auf den Wipfel  entästet sind. Der Wipfel ist mit bunten Bändern und Leckerbissen geschmückt. Ebenso wie der Maibaum, Kirtags-, Hüterbaum usw. wird in manchen Gegenden am "schmutzigen Donnerstag" (Donnerstag vor Faschingssonntag) von den Faschings- und/oder Brauchtumsgesellschaften ein Narrenbaum" errichtet. Dieser Narrenbaum stellt ein Symbol des Widerstandes gegen alle Gewalt und Vorschriften dar. Entsprechend dem Sprichwort "einen Baum aufstellen", werden alle Gesellschaftsregeln von den Narren während der Faschingszeit umgangen bzw. Missachtet. Dieser Narrenbaum gilt bis Aschermittwoch als "Stammbaum aller Narren". Rund um diesen Baum gibt es natürlich all die Späßchen wie Diebstahl des Baumes, Verstopfen des Baumloches, Raub des Baumschmuckes uvm.

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SITZUNGSFASCHING

Aus den Erkenntnissen der französischen Revolution, entwickelte sich im Rheinland Anfang des 19. Jahrhundert Sehnsucht und Streben nach Freiheit und Mitbestimmung. Was im Staat zu dieser Zeit jedoch nicht möglich war, realisierte man daher ab "parlamentarischen Monarchie" mit Wahlrecht und Mitbestimmung für alle Vereinsmitglieder. Als närrische Herrscherfigur wurde ein "Prinz Carneval" gewählt, dem Garde und Regierungskabinett in Form eines Elferrates (Comitè) zur Seite standen. Heute findet man als Regenten oft ein Herrscherpaar Diese ersten Karnevalsgesellschaften im Rheinland fanden sich zu Sitzungen zu Carnevalsbeginn und während der "Campagne" zusammen, wo vereinsinterne Angelegenheiten geregelt, der Rosenmontagzug  als Huldigung des Faschingsprinzen  geplant, aber auch heitere Darbietungen geboten wurden. Einen wesentlichen Inhalt dieser Sitzungen bildeten "Büttenreden", wo in heiter-kritischer Form Missstände aufgezeigt und angeprangert wurden.

Die Büttenrede geht auf alte Form des "Rügerechts" im Mittelalter zurück, wo der einfache Bürger in der Faschingszeit ungestraft seine Meinung sagen durfte. Bei Faschingssitzungen ist dies eine Symbolfigur der jeweiligen Gesellschaft (Till, Protokoller, Richter,...), die aus der Bütt  meist in gereimter Form  komische Vorfälle, Unsinnigkeiten, Fehlverhalten und Missstände aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik anklagt, mit diesen ins Gericht geht und mit einer symbolischen Strafe belegt. Die Bütt auch Bacchanalia" genannt, hat die Form eines Fasses (Waschfass wo der Narr in seiner närrischen Freiheit "Schmutzwäsche" des öffentlichen Lebens in humorvoller Weise wäscht. Die auf der Bütt dargestellte Eule gilt als Symbol der Weisheit. Nach dem Vorbild dieser Veranstaltungsart entwickelte sich in der Theaterwelt das politische Kabarett. Die demokratische Regierungsform in den Carnevalsgesellschaften gewann übrigens in der Zeit des Nationalsozialismus wieder verstärkte symbolische Bedeutung. In ländlichen Gegenden erfolgt dieses "Anprangern " in Form von "Faschingsbriefen". Die von Lokal zu Lokal ziehenden Gruppen berichten in heiterer Weise über Vorfälle des vergangenen Jahres in Sprech- oder Gesangsform. Oft wird diese lustige Darbietung auch bildlich unterstützt und erinnert an die Moritatensänger vergangener Zeiten. Aus diesen vereinsinternen Faschingssitzungen entwickelten sich im Laufe der Zeit "Fremdensitzungen". Diese Sitzungen unterscheiden sich in einem bestimmten Ritual und charakteristischen Merkmalen von normalen Kabarettveranstaltungen. Dies sind z.B. faschingsbezogener Saalschmuck, Veranstaltungs- oder mottobezogene Bühnendekoration, Auftritt und Agieren der närrischen Herrscherfiguren (Prinz, Prinzessin) und des Vereinsvorstandes (Comité), Faschings- und Vereinsrituale (Einzug, Ordensverleihung, Ernennung,...), Art und Inhalt der einzelnen Darbietungen, Erarbeiten der einzelnen Nummern und Bühnenaktivität durch Amateure, Miteinbezug des Publikums u.v.m. Leitlinie für den Programminhalt ist das Persiflieren, Karikieren und Kritisieren von Vorfällen und/oder Personen in heiterer Art, ohne jedoch den oder die Angegriffenen zu beleidigen. Auch Verstöße gegen die guten Sitten, sei es in Wort oder Darstellung, Faschingssitzung. Ein altes Büttenredner-Sprichwort lautet "Die Bütt bleibt frei von Schweinerei". Leider haben sich vereinzelt Faschingsgilden infolge der Unkenntnis der Tradition der Sitzungskultur und/oder des Selbstdarstellungsdranges einiger "Künstler" ausschließlich zu Theatergruppen entwickelt und vergessen dabei die Vereinsgrundsätze "Spaß, Unterhaltung und Freude bereiten", sich selbst und anderen. Dies soll nicht nur im Fasching, sondern auch im gesamten Vereinsjahr zur Erhaltung der Freundschaft und Pflege des Brauchtums gelten. Erfreulicher Weise hat sich jedoch fast überall durchgesetzt, dass die Einnahmen von Veranstaltungsaktivitäten der Faschingsgilden sozialen Zwecken zugeführt werden. Damit dient die "Narretei" letztendlich einem guten Zweck, nämlich Freude bei den Hilfsbedürftigen und Zufriedenheit bei den "Narren" hervorzurufen.

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ORIGINAL BEI BUND ÖSTERREICHISCHE FASCHINGSGILDEN

Quellenangabe:

Baumann Hans: Der Ursprung des Carnevals

Enziklopädie 2000, Wissen Verlag 1971

Heimatmuseum Bad Aussee

Heinz Hug: Narren am See, Fasnachtsfibel von A bis Z

Historisches Museum der Stadt Wien 1978: Fasching in Wien

Lau Alfred: Carneval International, Univers Verlag

Moser Dietz-Rüdiger:

Fastnacht-Fasching-Karneval, Edition Kaleidoskop, 1986

Narro-Zunft Waldshut: Waldshuter Fasnacht

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